1. Was ist Thermisches Spritzen?
Thermisches Spritzen ist eine Gruppe von Beschichtungsverfahren, bei denen Spritzwerkstoffe (Draht, Pulver, Stab) durch eine Wärmequelle geschmolzen oder angeschmolzen und auf ein Substrat geschleudert werden. Die Schicht entsteht mechanisch — nicht stoffschlüssig wie beim Schweißen. Vorteil: minimaler Wärmeeintrag ins Bauteil, fast alle Werkstoffe kombinierbar.
2. Flammspritzen (ISO 4063 Code 13)
Klassisches Verfahren mit Acetylen-Sauerstoff-Flamme. Schichtdicken typisch 100–500 µm, Auftragswirkungsgrad moderat (~50 %). Anwendung: Korrosionsschutz (Zink, Aluminium), Großbauteile im Stahl- und Anlagenbau. Dokumentations-Pflicht überschaubar, oft reichen ISO-3834-Basisanforderungen.
3. Lichtbogenspritzen (Code 12)
Zwei Drähte werden durch einen Lichtbogen geschmolzen und mit Druckluft zerstäubt. Sehr hohe Auftragsraten, typisch für Korrosionsschutz auf großen Flächen (Brammen, Schiffsdecks). Hoher Wärmeeintrag begrenzt Substrat-Wahl.
4. Plasmaspritzen (Code 14)
Pulver oder Draht werden in einem Plasma-Strahl (10.000–20.000 °C) geschmolzen. Sehr dichte, haftfeste Schichten für Hochtemperatur-Anwendungen (Turbinen, TBC). Dokumentations-Pflicht mittel bis hoch — prozesskritisch.
5. HVOF — Hochgeschwindigkeits-Flammspritzen (Code 15)
HVOF kombiniert Flammspritzen mit Überschall-Gasstrahl. Sehr dichte Schichten (Porosität < 1 %), hohe Haftzugfestigkeit. Standard für Verschleißschutz mit Wolframcarbid (Walzen, Buchsen, Wellen). Dokumentations-Pflicht hoch — Parameter-Reproduzierbarkeit entscheidend.
6. Kaltgas-Spritzen (Code 16)
Pulver wird ohne Wärmezufuhr durch Überschall-Gasstrom beschleunigt und prallt kalt auf das Substrat. Keine Oxidation, kein Phasenwechsel — ideal für temperaturempfindliche Werkstoffe. Anwendung: Elektronik, Medizintechnik, Reparatur.
7. Detonations-Spritzen (Code 17)
Pulver wird durch kontrollierte Detonationen auf das Substrat geschleudert. Höchste Haftzug- und Dichte-Werte, aber kleine Beschichtungsfläche pro Zyklus. Anwendung: Luftfahrt (Turbinen-Schaufeln), Spezialanwendungen.
8. Werkstoff-Zuordnung und Pulver-Chargen
Pro Verfahren kommen typische Werkstoffe zum Einsatz: Wolframcarbid (HVOF), MCrAlY (Plasma/Vakuum-Plasma), Inconel, Chromcarbid, Aluminium-Bronze, reines Zink/Aluminium (Flamm). Pro Werkstoff sind Pulver-Chargen vom Hersteller rückverfolgbar — die Chargen-Daten sind Teil der EN-17002-Dokumentation.
Wie SpritzDoku die Verfahrensvielfalt abbildet
SpritzDoku kennt alle ISO-4063-Codes und ordnet jedem Auftrag automatisch das passende Verfahren zu. Parameter-Vorlagen pro Verfahren sparen Zeit und sichern Reproduzierbarkeit.
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